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Und zweitens als man denkt. Nicht nur, daß über das Ankommen und sich Einfinden in Deutschland keine Zeit blieb, die Begebenheiten jeden Tages wie eigentlich angedacht hier niederzuschreiben. Nein, das gesamte Projekt hat sich seit unserer Abreise nach Vanuatu vor doch erst knapp drei Wochen grundlegend verändert. Und doch auch wieder nicht. Aber der Reihe nach:

Thorolf und ich brachen Ende April nach Vanuatu auf, um fünf Freunde aus Bunlap abzuholen. Im Januar hatte Thorolf sechs Männer in die Hauptstadt Port Vila mitgenommen, um ihnen Geburtsurkunden und Pässe ausstellen zu lassen. Fünf von ihnen sollten im Sommer nach Deutschland kommen, der sechste im Notfall einspringen können. Leider gab es den traurigsten aller Notfälle, im März erfuhren wir von dem unerwarteten Tod von Bebe Malegel, Thorolfs bestem Freund. Die Nachricht übermittelte uns Jacob Kapere, Leiter der National Film & Sound Unit am Vanuatu Cultural Centre, der Thorolf seit dessen erstem Filmprojekt in Vanuatu kennt und auch dieses Projekt von Anfang an begleitet und unterstützt hat.

Die Nachricht traf uns hart, und noch dazu war es geradezu unmöglich, in den darauf folgenden Wochen Bunlap zu erreichen. Kein Durchkommen, weder am öffentlichen Telefon noch auf Moses eigener Leitung. Auch Jacob konnte nichts weiter berichten. Dunkle Ahnungen stiegen auf, zu unklar waren die Umstände von Bebe Malegels Tod – und damit stellte sich uns die Frage, ob und wie wir weitermachen können, sollen oder müssen. Die Rückmeldungen, die wir von Jacob, von Marcelin Abong, dem Direktor des Cultural Centre und auch von Ralph Regenvanu, seinem Vorgänger, bekamen, bestärkten uns darin, die Projektvorbereitungen fortzuführen. Im Grunde wissen wir, daß wir nur vor Ort, in Bunlap selbst, erfahren können, was geschehen ist.

Die Zeit in Port Vila ist knapp bemessen. Die vorbereiteten Pässe müssen nur noch abgeholt werden, aber die Visa für Europa, und auch für Australien, wo sich ein Zwischenstopp nicht vermeiden läßt, müssen beantragt werden. Wir haben gut eine Woche Zeit dafür. Mittwoch nacht sind wir gelandet, möglichst gleich am Freitag wollen wir uns auf den Weg nach Bunlap machen, um unsere Freund abzuholen. Donnerstag früh treffen wir uns mit Jacob, der uns schon die entsprechenden Flüge nach Pentecost und zurück nach Vila gebucht hat. Ein weiterer Versuch, in Bunlap anzurufen – und tatsächlich, er erreicht Moses. Als dieser hört, daß wir kommen wollen, heißt es nur – No, yu no kam. – Nein, wir sollen nicht nach Bunlap kommen, sie treffen uns in Vila.

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Aufbruch

Das letzte Wochenende in Deutschland, die Abreise nach Vanuatu steht bevor. Unglaublich viel ist bis zur letzten Minute noch zu organisieren und zu bedenken, schließlich steht nicht nur die Reise in den Pazifik an, sondern direkt im Anschluß zwei Monate, die uns vom Flughafen München gleich nach Obergünzburg, später nach Bayreuth, und von dort schließlich wieder zurück nach München führen werden. Ist das nun der eigentliche Anfang des Projektes?
Wann „UrSprung in der Südsee“ wirklich begonnen hat, läßt sich schwer an einem Datum festhalten. War es, als die Idee zu einer Ausstellung mit Juban-Masken vor über acht Jahren in Bunlap das erste Mal ausgesprochen wurde, oder als der Wunsch reifte, unsere Freunde nach Deutschland einzuladen, und die Überlegungen einsetzen, auf welchem Weg das geschehen könnte. Mit dem ersten Gespräch darüber mit Michaela Appel im Münchner Museum für Völkerkunde? In dem Moment als die finanzielle Förderung greifbar schien, und sich dann doch wieder zerschlug? Oder als Jamal Zeinal-Zade vor zwei Sommern als Erster nicht mehr nur von Unterstützung sprach, sondern auch tätig wurde, und uns die Weiterarbeit an dem Projekt ermöglichte. Ein Projekt mit vielen Anfängen, keine Frage.
Mit der Eröffnung der Ausstellung „Das verlorene Gesicht“ in Bayreuth hat nach den Jahren der Vorbereitung nun, mit dem „öffentlichen“ Teil des Projektes, zugleich die Endphase begonnen. Wobei diese Endphase sich schließlich ebenso über Wochen und Monate, wenn nicht Jahre hinziehen kann und wird, wie der Beginn. Denn die Reise mit unserern Freunden nach Deutschland birgt in sich wiederum viele Anfänge, jeder Ort unserer gemeinsamen Aufenhaltes wird Neues bieten. Von der Rückkehr nach Bunlap ganz zu schweigen.

Einmal mehr, die Reise des Ethnologen aus Deutschland nach Vanuatu, dann – das allererste Mal für die Männer aus Bunlap – eine Reise um den halben Globus und in eine neue Welt.

Wir begleiten den erneuten Aufbruch nach Bunlap, die gemeinsame Reise nach und vor allem in Deutschland. Was erleben die Männer aus Bunlap in Obergünzburg, Bayreuth und München. Was beschäftigt sie bei uns?